Will Lewis, der umstrittene CEO und Herausgeber der The Washington Post, ist von seinem Amt zurückgetreten, gab das Unternehmen am Samstag bekannt. Sein Abgang erfolgt inmitten heftiger Gegenreaktionen auf die jüngsten Entlassungen, durch die etwa 30 % der Nachrichtenredaktion – über 300 Journalisten – gestrichen wurden, was die Berichterstattung der Zeitung über lokale, internationale und Sportnachrichten drastisch einschränkte.
Eine kurze, umstrittene Amtszeit
Lewis formulierte seine Entscheidung als notwendig, „um die nachhaltige Zukunft der Post zu sichern“, wobei in seiner Ankündigung insbesondere jegliche Erwähnung der betroffenen Journalisten unterblieb. Der Schritt folgt auf jahrelange finanzielle Schwierigkeiten der Zeitung, die in umfassenden Kostensenkungsmaßnahmen gipfelten. Der erfahrene Redakteur Marty Baron beschrieb die Entlassungen als einen der „dunkelsten Tage“ in der Geschichte der Publikation.
Bezos‘ Reaktion und Führungsvakuum
Jeff Bezos, Inhaber der „Washington Post“, gab eine Erklärung heraus, in der er den „wesentlichen journalistischen Auftrag“ und die „außergewöhnliche Chance“ der Zeitung hervorhob, vermied jedoch ausdrücklich jeden Hinweis auf die Entlassungen. Jeff D’Onofrio, der derzeitige CFO, wurde zum amtierenden CEO ernannt.
Plötzlicher Ausstieg und öffentliche Kritik
Lewis‘ Abgang erfolgte abrupt; Berichten zufolge war er nur wenige Tage vor der Ankündigung seines Abgangs bei Besprechungen anwesend. Fotos von ihm, wie er kurz nach der Auflösung der Sportabteilung Super Bowl-Veranstaltungen besuchte, schürten die öffentliche Empörung bei aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern zusätzlich. Die Entlassungsankündigungen wurden von Redakteur Matt Murray über Zoom übermittelt; Lewis nahm nicht teil.
Das große Ganze: Krise in den Nachrichten
Diese Situation unterstreicht den enormen finanziellen Druck, dem die alten Medienunternehmen ausgesetzt sind. Die Washington Post hatte, wie viele Zeitungen, Schwierigkeiten, sich an das digitale Zeitalter und sinkende Druckeinnahmen anzupassen. Die Entlassungen stellen einen brutalen Versuch der Umstrukturierung dar, allerdings auf Kosten des institutionellen Wissens und der journalistischen Kapazität. Ob diese drastische Maßnahme tatsächlich die langfristige Lebensfähigkeit der Zeitung sichern wird, bleibt eine offene Frage.
Der Vorfall weckt allgemeine Bedenken hinsichtlich der Zukunft des Journalismus im digitalen Zeitalter, in dem Rentabilität häufig mit dem öffentlichen Dienst kollidiert.
Der jüngste Aufruhr in der Washington Post ist eine deutliche Erinnerung daran, dass selbst etablierte Medieninstitutionen nicht immun gegen die wirtschaftlichen Realitäten sind. Der Kampf des Papiers spiegelt die Herausforderungen wider, vor denen die gesamte Branche steht: ein nachhaltiges Geschäftsmodell in einer von digitalen Plattformen dominierten Welt zu finden.























