Der Internal Revenue Service (IRS) investiert stark in künstliche Intelligenz, um seinen Prüfungsauswahlprozess zu überarbeiten, und hat Palantir Technologies einen 1,8-Millionen-Dollar-Auftrag zur Weiterentwicklung eines maßgeschneiderten Tools zur Identifizierung hochwertiger Steuerhinterziehungsfälle erteilt. Der Schritt signalisiert eine stärkere Abhängigkeit von privaten Technologieunternehmen bei der Modernisierung der veralteten Infrastruktur der Behörde, trotz jahrzehntelanger gescheiterter interner Versuche.
Das Problem: Veraltete Systeme und ineffiziente Fallauswahl
Der IRS kämpft seit Jahren mit fragmentierten Datensystemen, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden und eine effiziente Steuerdurchsetzung behindern. Den Dokumenten der Agentur zufolge führen diese veralteten Prozesse zu Doppelarbeit, Deckungslücken und einer suboptimalen Fallauswahl. Das IRS nutzt derzeit über 100 Geschäftssysteme und 700 Methoden, um potenziellen Betrug zu erkennen. Diese Bemühungen erwiesen sich zunehmend als wirkungslos.
Palantirs Lösung: Die „Selection and Analytic Platform“ (SNAP)
Die SNAP-Software von Palantir wurde entwickelt, um die Identifizierung betrügerischer Steuererklärungen zu optimieren. Das Tool fungiert als Pilotprogramm und analysiert vorhandene IRS-Daten, um verdächtige Fälle zu kennzeichnen. Die Agentur hat seit 2014 bereits über 200 Millionen US-Dollar für Palantir-Technologie ausgegeben und versucht nun, diese Beziehung zu vertiefen. SNAP wird sich auf den zersplitterten Datenbanken des IRS befinden und Prüfern dabei helfen, Warnsignale in Einreichungen zu erkennen, die andernfalls übersehen würden.
So funktioniert SNAP: Ausrichtung auf bestimmte Steuerbereiche
Das IRS hat Palantir damit beauftragt, drei Fallauswahlmethoden zu entwickeln:
- Ansprüche aus Katastrophengebieten: Prüfung von Hilfsgeldern auf möglichen Missbrauch.
- Residential Clean Energy Credits: Prüfung von Steuergutschriften für Solar- und Windenergieanlagen.
- Formular 709 Schenkungssteuererklärung: Prüfung hochwertiger Geschenke (Kunstwerke, Aktien, Unternehmen) auf ordnungsgemäße Offenlegung.
Experten schlagen vor, dass SNAP unstrukturierte Daten wie Bewertungsdokumente analysiert, um die Richtigkeit von Immobilienbewertungen zu überprüfen. Der IRS darf auch Daten von Finanzplattformen Dritter wie Venmo oder Depop verwenden, allerdings nur, wenn er diese Daten bereits rechtmäßig besitzt.
Die Geschichte der gescheiterten Modernisierung des IRS
Der IRS kämpft seit Jahrzehnten darum, seine Technologie zu verbessern, wobei Projekte immer wieder ins Stocken geraten oder aufgegeben werden. Die Agentur hat sogar damit experimentiert, öffentliche Social-Media-Beiträge auszuwerten und Verträge mit Krypto-Börsen wie Coinbase abzuschließen, um nicht gemeldete Einkünfte zu ermitteln.
Politische Hindernisse und Personalengpässe
Der IRS sieht sich ständigen politischen Gegenreaktionen und Unterfinanzierung ausgesetzt, was Modernisierungsbemühungen erschwert. Zwischen Februar und Juli 2025 verlor die Agentur über 25.000 Mitarbeiter durch Kündigungen und Vorruhestandsangebote. Auch die häufige Fluktuation von Kommissaren stört langfristige Projekte. Experten stellen fest, dass es „an dem politischen Willen mangelt, auf dem Hügel des IRS zu sterben“.
Die Abhängigkeit des IRS von Palantir spiegelt einen breiteren Trend wider, dass sich Regierungsbehörden an private Technologieunternehmen wenden, um Modernisierungsherausforderungen zu lösen. Der Schritt wirft Fragen zum Datenschutz, zu algorithmischer Voreingenommenheit und zur Auslagerung zentraler Regierungsfunktionen auf. Der Erfolg von SNAP bleibt abzuwarten, aber die anhaltenden Investitionen der Agentur legen nahe, dass sie KI als entscheidendes Instrument zur Durchsetzung der Steuerkonformität ansieht.























