Netflix hat sich erfolgreich eine riesige Nische im Reality-TV-Markt erschlossen und sich von den traditionellen, stark skriptbasierten Formaten des Netzwerkfernsehens entfernt, um ein globales Dating-Phänomen zu schaffen. Mit der Ausweitung des Genres stößt es jedoch auf tief verwurzelte kulturelle und politische Spaltungen, die die Herangehensweise des Publikums – und der Teilnehmer – an moderne Romantik verändern.
Von „erfundenen“ Klassikern bis hin zu globalen Hits
Als Brandon Riegg vor einem Jahrzehnt zu Netflix kam, war sein wichtigster Maßstab „The Bachelor“ von ABC. Riegg betrachtete das traditionelle Netzwerkmodell als „gekünstelt“, gekennzeichnet durch künstliche Gruppentermine und inszenierte Schauplätze wie italienische Schlösser. Sein Ziel war es, sich auf etwas zu konzentrieren, das besser mit der modernen Dating-Dynamik übereinstimmt.
Diese Strategie zahlte sich mit dem Debüt von Love Is Blind im Jahr 2020 aus. Seitdem ist die Serie zu einem Eckpfeiler der Netflix-Sachbuchreihe geworden und rühmt sich:
– 215 Millionen Aufrufe weltweit.
– Expansion in neun internationale Märkte.
– Ein vielfältiges Portfolio an Spin-offs und neuen Konzepten, wie zum Beispiel Love on the Spectrum und Age of Attraction.
Die „Manosphäre“ und die politische Kluft
Trotz ihres kommerziellen Erfolgs stoßen die Dating-Shows von Netflix zunehmend auf Kritik hinsichtlich der Profile der teilnehmenden Männer. In den letzten Staffeln von Love Is Blind traten Teilnehmer auf, deren Ideologien sich stark an der „Manosphäre“ orientieren – einer Ansammlung von Online-Subkulturen, die oft durch Hypermaskulinität und konservative gesellschaftliche Ansichten gekennzeichnet sind.
Bestimmte Fälle haben bei den Zuschauern für Stirnrunzeln gesorgt:
– Ideologische Ausrichtung: Die Teilnehmer haben sich offen mit kontroversen Persönlichkeiten wie Andrew Tate identifiziert oder ihre starke Unterstützung für Donald Trump zum Ausdruck gebracht.
– Verhaltenskonflikte: Probleme, die von „Dominanz“-Anzeigen bis hin zu Meinungsverschiedenheiten über Fitness und Lebensstil reichen, haben zu erheblichen Spannungen auf dem Bildschirm geführt.
– Der politische Filter: Die Spannungen gibt es nicht nur auf dem Bildschirm; es wirkt sich auf den Dating-Pool selbst aus. Daten aus einer Umfrage von DatingAdvice.com und dem Kinsey Institute aus dem Jahr 2025 legen nahe, dass Politik ein Hauptgrund für die zunehmende Zölibatät unter Frauen der Generation Z ist, wobei 64 % der freiwillig zölibatären Frauen politische Gründe nennen.
Auf die Frage, ob Netflix absichtlich konservative Persönlichkeiten besetzt, um eine bestimmte Bevölkerungsgruppe anzusprechen, vertritt Riegg eine neutrale Haltung. Er führt die Vielfalt der politischen Neigungen auf das „Glück der Auslosung“ zurück, je nachdem, wo die Dreharbeiten stattfinden – von liberalen Zentren wie Washington D.C. bis hin zu konservativeren Gegenden wie Ohio.
Die Herausforderung, „hochwertige“ Teilnehmer zu finden
Riegg räumt ein, dass die Schwierigkeit, „gute Männer“ zu finden, nicht nur eine Produktionshürde, sondern ein breiterer gesellschaftlicher Trend ist. Er stellt ein persönliches Ungleichgewicht in seinen sozialen Kreisen fest und stellt fest, dass er zwar viele tolle Freundinnen hat, es jedoch immer schwieriger wird, geeignete männliche Kollegen für sie zu finden.
Dieser Mangel an „idealen“ Partnern erschwert die Arbeit des Produzenten:
1. Story vs. Substanz: Produzenten legen oft Wert auf „Story“ (Konflikt und Drama) gegenüber ausführlicher Vorführung, was dazu führen kann, dass polarisierende Persönlichkeiten in die Ausstrahlung kommen.
2. Die Fürsorgepflicht: Da Reality-TV wegen Ausbeutung unter die Lupe genommen wird, betont Riegg die „Fürsorgepflicht“ von Netflix, zu der es gehört, den Darstellern Zugang zu Therapien zu verschaffen, um mit dem psychologischen Druck des Ruhms und der öffentlichen Kontrolle zurechtzukommen.
Fazit
Da Netflix weiterhin das Reality-Dating-Genre dominiert, steht das Unternehmen vor der komplexen Herausforderung, dramatische Unterhaltung mit den sich verändernden sozialen und politischen Realitäten seines Publikums in Einklang zu bringen. Die Spannung zwischen „authentischem“ Dating und den polarisierenden Ideologien seiner Teilnehmer legt nahe, dass es in der Zukunft des Reality-TV ebenso sehr um die Überwindung kultureller Unterschiede wie um die Suche nach Liebe gehen wird.























